Trainingswohnungen

Zwölf Trainingswohnungen befinden sich in einem 400m² großen Gebäudekomplex auf dem Hauptgeländes des Forellenhofes in Jesteburg. Darüber hinaus stehen drei externe Trainingswohnungen außerhalb des Hauptgeländes zur Verfügung.

In die Trainingswohnungen werden Jugendliche und junge Volljährige beiderlei Geschlechts ab 16 Jahren aufgenommen. Sie wechseln in der Regel aus dem Betreuungsangebot der Verselbständigungsgruppe, ggf. aber auch aus der Kinder- und Jugendgruppe in die Trainingswohnungen. Auch unbegleitete minderjährige Ausländer werden in dieses Betreuungsangebot aufgenommen. Das Angebot steht ebenso Jugendlichen und jungen Volljährigen von außerhalb des Forellenhofes zur Verfügung, wenn die fachliche Einschätzung ergibt, dass sie die unten stehenden Voraussetzungen im Wesentlichen erfüllen können. Zudem richtet sich das Angebot an Jugendliche und junge Volljährige aus familiären Krisensituationen, für die aufgrund ihres Alters und der Ausgangssituation keine Rückführung in die Familie mehr in Betracht kommt.

Die zu Betreuenden der Trainingswohnungen sollten sich insgesamt in ihrer psycho-sozialen Entwicklung schon relativ stabilisiert zeigen, Vorstellungen in Bezug auf die schulisch-berufliche Zukunft sowie Motivation hinsichtlich ihres eigenen Verselbständigungsprozesses aufbringen. Weitere Voraussetzungen sind ein gewisser Grad an Selbständigkeit und Zuverlässigkeit, dazu gehören bspw. das selbstständige Aufstehen, sich im Wesentlichen selbstversorgen zu können, ein entwickeltes Hygiene- und Ordnungsverhalten, Zuverlässigkeit im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Finanzen, Absprachefähigkeit etc.

In die drei externen Wohnungen können die Bewohner der Trainingswohnungen als Zwischenschritt auf das Leben im eigenen Wohnraum wechseln. Häufig verbinden junge Menschen den Wechsel in eine eigene Wohnung mit einem Gefühl des Alleinseins. Im Fokus dieses Angebotes steht u.a. das Erleben und die Auseinandersetzung mit dem Wohnen außerhalb einer Wohngruppe, bzw. einer Jugendhilfeeinrichtung, sowie den damit verbundenen Anforderungen und der bisher nicht erlebten Situation, auf sich selbst gestellt zu sein. Die externen Wohnungen sind so in die örtliche Struktur eingebettet, dass damit die soziale Integration der Bewohner noch besser gefördert werden kann.

Um das Ziel der eigenverantwortlichen Lebensführung der zu Betreuenden der Trainingswohnungen zu erreichen, ist es notwendig, individuell an den vorhandenen Ressourcen anzusetzen und entsprechende Betreuungskonzepte für die Einzelne oder den Einzelnen zu entwickeln. Insgesamt geht es in dieser Betreuungsform eher darum, die Jugendlichen und jungen Volljährigen zu begleiten und sie darin zu unterstützen, ihre eigenen Zielvorstellungen zu erreichen. Um eine gesellschaftliche Integration trotz teils erheblicher individueller Problemlagen zu ermöglichen, kommen in diesem Betreuungsangebot verstärkt handlungsorientierte Ansätze zum Tragen. Sie beinhalten das gezielte Bearbeiten der sich aus der neuen Wohn- und Lebenssituation ergebenden Anforderungen, insbesondere die Unterstützung bezüglich des Ausbaus der lebenspraktischen Alltagskompetenzen. Zudem werden die zu Betreuenden darin unterstützt, sich mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen und die notwendigen Voraussetzungen und Kompetenzen für eine erfolgreiche Integration in die Arbeitswelt zu entwickeln, bzw. diese auszubauen.

Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Werten sowie allgemeinen gesellschaftlichen Anforderungen wird auch in Form von Gruppenarbeit in regelmäßig stattfindenden Workshops mit den zu Betreuenden thematisiert. Dabei werden Verselbständigungsmodule mit den relevanten thematischen Inhalten und Anforderungen der eigenständigen Lebensführung in unterschiedlicher methodischer Aufbereitung gemeinsam erarbeitet. Dies beinhaltet bspw. den „Haushaltsführerschein“, die Module „Gesundheit und Ernährung“, „Finanzen“, „Umgang mit Behörden“, „Schule und Beruf“ und „Wohnraum – aber wie?“. In den zum Teil mehrgliedrigen Modulen werden einerseits theoretische Inhalte vermittelt und andererseits auch praktische Übungen durchgeführt, z.B. Bewerbungs- und Kompetenztrainings, Kochen, Backen, Bügeln, Nähen etc. Weiterhin wird an praktischen Übungen der Umfang der Anforderungen, die eigener Wohnraum mit sich bringt, vermittelt. So werden mit allen Bewohnern ein Mietvertrag und ein Wohnungsübergabeprotokoll erstellt und die Verbräuche von Kalt- und Warmwasser und Strom dokumentiert. Die Bewohner haben bei Bedarf die Möglichkeit an gemeinsamen, begleiteten Einkauftrainings teilzunehmen.