Arbeit und Wohnen

Aufgenommen in die vier Wohngemeinschaften mit insgesamt zwölf Plätzen werden unbegleitete minderjährige Ausländer ab dem 16. Lebensjahr, die bereits das Clearing der Inobhutnahmestelle des Jugendamtes des Landkreis Harburg durchlaufen haben. Das Clearing muss zum Ergebnis haben, dass diese jungen Menschen in der Lage sind, in einer Wohngemeinschaft ohne „Rund um die Uhr-Betreuung“, jedoch mit intensiver pädagogischer Begleitung im Alltag, leben zu können. In die Wohngemeinschaften werden nur männliche unbegleitete Ausländer aufgenommen.

Eine Motivation hinsichtlich des eigenen Verselbständigungsprozesses ist Voraussetzung für eine Aufnahme, zudem ein gewisser Grad an Selbständigkeit und Zuverlässigkeit, dazu gehört z.B. selbstständiges Aufstehen, sich im Wesentlichen selbstversorgen zu können, positives Hygiene- und Ordnungsverhalten, Zuverlässigkeit im Umgang mit den zur Verfügung stehenden Finanzen und vorhandene Absprachefähigkeit.

Den jungen Flüchtlingen soll ein sicherer Lebensort geboten werden. Sie müssen sich geschützt fühlen vor (weiterer) Verfolgung und Übergriffen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit. „Sicherer Lebensort“ bedeutet auch die Bereithaltung eines geeigneten Wohnraums und die damit verbundene Begleitung und Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben in einer fremden Lebenswelt. Die Integration in die verschiedenen (Aus-)Bildungseinrichtungen, also Schulen, Sprachkurse, Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung, Ausbildungsbetriebe, Vereine etc. stehen neben dem Erlernen der deutschen Sprache für alle zu Betreuenden im Vordergrund. Entsprechende Förderangebote werden zusätzlich organisiert in den pädagogischen Alltag eingebaut. Dies geschieht in Form von schulischen Hilfen, Workshops und Gruppenarbeit.

Der Betreuungsalltag soll einen Rahmen zum Erlernen und Vervollständigen der lebenspraktischen Fähigkeiten bieten und auf die eigenständige Lebensführung adäquat vorbereiten. Dabei spielt eine zentrale Rolle die Vermittlung von deutschen Kulturtechniken, die Auseinandersetzung mit den anderen gesellschaftlichen Normen, Werten sowie den gesetzlichen Vorgaben. Dabei muss die interkulturelle Kompetenz der pädagogischen Fachkräfte durch begleitende Fortbildungsangebote gefördert werden, um die Ziele der zu Betreuenden in Einklang zu mit hiesigen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen zu bringen und Aushandlungsprozesse positiv gestalten zu können.
Eine wichtige Aufgabe ist die Unterstützung der jungen Flüchtlinge bei der Klärung des jeweiligen Aufenthaltsstatus‘ und des Asylverfahrens, dessen Ausgang entscheidend ist für die weitere Lebensplanung. Dies bedeutet, dass Termine bei der Ausländerbehörde, Anwälten, Vormündern, Familienangehörigen, etc. in der Regel pädagogisch begleitet werden.

Einen hohen Stellenwert hat die gesundheitliche Versorgung der jungen Flüchtlinge, insbesondere auch in Bezug auf die Abklärung therapeutischen Unterstützungsbedarfes. Auch hierfür werden Hilfestellungen gegeben, wie bspw. begleitete Arztbesuche oder die Vermittlung von geeigneten therapeutischen Hilfeangeboten.

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit den zuständigen Bezugsbetreuerinnen und Bezugsbetreuern wird sich individuell mit der Lebensgeschichte der zu Betreuenden auseinander gesetzt. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die familiäre Situation, z.B. bei Verlust von Familienmitgliedern und daraus resultierenden Belastungen. Auch die frühere Lebenssituation in der Heimat sollte erfasst werden (familiärer Status, Kriegserlebnisse, mögliche Traumatisierungen etc.), ebenso die Fluchtgeschichte (mögliche Traumatisierungen und Gewalterfahrungen). Auch die schulisch-beruflichen Voraussetzungen sowie die unterschiedlichen individuellen Ressourcen und vorhandenen Kompetenzen müssen erfasst werden, um den Integrationsprozess erfolgreich begleiten zu können. Dabei ist die organisierte Ermittlung der individuellen Ressourcen und Fähigkeiten sowie der möglicherweise vorhandenen Netzwerke des Einzelnen wichtig, um zielgerichtet die weitere pädagogische Arbeit gestalten zu können. Hauptziel ist, die jungen Menschen auf die eigenständige Lebensführung vorzubereiten.